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Über das Projekt GeoBib

Zum Begriff der Holocaust- und Lagerliteratur

Holocaustliteratur ist als Begriff und literaturwissenschaftliches Thema spätestens seit den 1980er Jahren fest in der Wissenschaft etabliert. Ausgehend von den Vereinigten Staaten hat sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit Holocaustliteratur auch in Deutschland zu einem vielfältigen Forschungsfeld entwickelt.

Die Definition des Begriffs 'Holocaustliteratur' als eine Genre-Bezeichnung bedarf zunächst einer Klärung der Frage, was genau unter der Metapher 'Holocaust' verstanden werden kann: Von einem weiten Verständnis des Begriffs ausgehend umfasst dieser demnach alle Aspekte der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik beginnend mit den ersten Maßnahmen der Ausgrenzung unmittelbar nach Regierungsübernahme der Nationalsozialisten bis hin zu den Massenmorden während des Zweiten Weltkriegs. Dies schließt bereits die Verfolgung von Juden, politischen Gegnern, Homosexuellen, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und anderen ab 1933 ein.

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden stellte den Kern des Holocaust dar. Dieser Völkermord soll durch das breite Holocaust-Verständnis keinesfalls mit den anderen NS-Verbrechen gleichgesetzt werden. Im Hinblick auf die literaturwissenschaftliche Begriffsbildung für ein Genre wäre es jedoch verfehlt, beispielsweise die Erinnerungen eines deutschen Juden an seine Konzentrationslagerhaft von 1935 bis 1938 als Holocaustliteratur zu verstehen, die Erinnerungen eines nichtjüdischen Häftlings aus dem gleichen Lager zur gleichen Zeit aber auszuschließen. Dabei sollen die komplexen historischen Entwicklungen und Differenzierungen der Verfolgungspolitik nicht verwischt werden. In literaturhistorischer Hinsicht aber weisen die Textzeugnisse der verschiedenen Phasen der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik starke Bezüge zueinander auf. Es entwickelten sich bereits sehr früh Gattungskonventionen, die auch die später entstandenen Texte (bis heute) beeinflussen. Um Missverständnissen vorzubeugen wurde der Begriff erweitert zu Holocaust- und Lagerliteratur.

Nach dem Gießener Verständnis fallen darunter demnach alle literarischen Werke, die den Holocaust zentral behandeln. Das bedeutet, dass hierzu noch während des Geschehens verfasste Zeugnisse wie Tagebücher, Chroniken und andere ebenso zählen wie nachträglich verfasste Erinnerungen. Überdies umfasst der Begriff auch fiktionale Werke wie Romane, Gedichte und Dramen, die entweder bereits zur Zeit des Holocaust oder aber nach Kriegsende entstanden sind.

Auswahlkriterien

In die Online-Bibliographie aufgenommen wurden grundsätzlich nur selbstständig publizierte deutsch- bzw. polnischsprachige Werke, die der zugrunde gelegten Definition der Holocaust- und Lagerliteratur entsprechen. Berücksichtigt sind sowohl Zeugnisse von unmittelbar selbst betroffenen Verfolgten und Überlebenden als auch solche von nicht direkt beteiligten Dritten. Ausgenommen wurden Werke von Tätern bzw. Tatbeteiligten wie zum Beispiel das Buch „Konzentrationslager Oranienburg“ von Werner Schäfer, dem dortigen Lagerkommandanten. Überdies wurden Publikationen von Exilanten ausgeschlossen, in denen ausschließlich die Situation im Exil, nicht aber die eventuell zuvor erfahrene Verfolgungsgeschichte thematisiert wird (z. B. Lion Feuchtwangers Roman „Exil“). Eine Liste der bearbeiteten Werke finden Sie hier.

Die Annotationen

Nicht für alle ermittelten relevanten Werke der Holocaust- und Lagerliteratur lagen Informationen in der gleichen Dichte vor und nicht alle konnten in der gleichen Intensität während der Laufzeit des Projekts bearbeitet werden. Für die weitüberwiegende Mehrheit der Textzeugnisse sind neben den grundlegenden bibliographischen Daten in der Datenbank Informationen zum Inhalt, zur Werkgeschichte und zu den Autorbiographien vorhanden. In einigen Fällen ließen sich Pseudonyme nicht aufklären, die Verfasser anonymer Schriften nicht ermitteln oder keine überlieferten Quellen zur Werkgeschichte auffinden. Alle recherchierten Werke sind aber mindestens mit ihren bibliographischen Daten aufgenommen.

Inhaltszusammenfassung

Hier werden allgemein verständlich der wesentliche Inhalt, der Handlungsverlauf und der Aufbau des Werks dargestellt und gegebenenfalls literaturwissenschaftlich eingeordnet. Dazu zählen auch Angaben zu Erzählhaltung, Tempusgebrauch, Erzählstil und ähnliches. Grundlage hierfür ist ausschließlich die annotierte Fassung des Werks, nach Möglichkeit die Erstauflage.

Werkgeschichte

In der Werkgeschichte wird nach Möglichkeit die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Werks bis zu seiner Veröffentlichung sowie die weitere Geschichte des Buchs (Auflagen, Adaptionen, Übersetzungen, Kürzungen etc.) beschrieben. Grundlage hierfür sind die Angaben in den Werken sowie gegebenenfalls archivalische Quellen aus Autornachlässen, Verlagsarchiven usw. Überdies soll die Werkgeschichte anhand ermittelter Rezensionen sowie anderer Reaktionen (Leserzuschriften u.ä.) Aufschluss über die Rezeption des jeweiligen Werks geben. Hierfür wurden wichtige Zeitungen und Zeitschriften umfassend ausgewertet.

Autorbiographie

Die Autorbiographien bereiten die wesentlichen biographischen Informationen über die Verfasserinnen und Verfasser der Werke allgemein verständlich auf. Sie basieren auf der Auswertung einschlägiger biographischer Nachschlagewerke, Datenbanken und Forschungsliteratur sowie auf eigens vorgenommenen Archivrecherchen in Nachlässen, weiteren personenbezogenen Unterlagen und anderen Sammlungen.

Quellennachweise

In Inhaltszusammenfassung, Werkgeschichte und Autorbiographie werden nur direkte Zitate im Fließtext in Klammern nachgewiesen. Alle weiteren zugrundeliegenden Quellen werden am Ende gesammelt aufgeführt.

Umgang mit Namensvarianten der Autorinnen und Autoren

Die Namen der Verfasser wurden in allen geläufigen Varianten inklusive der Geburtsnamen sowie ggf. wechselnder Ehenamen erfasst, soweit sie sich recherchieren ließen. In den bibliographischen Daten werden allerdings nur diejenigen Namen angezeigt, die in der gedruckten Textfassung genannt werden, gleichwohl führen Suchen mit den Namensvarianten gleichfalls zu den entsprechenden Texten. Zum Beispiel wird das Drama „Kraft durch Feuer“ in den bibliographischen Daten dem Verfasser „Rudolph, Albert“ zugeordnet, in der Autorbiographie aber erläutert, dass es sich hierbei um ein Pseudonym des Schriftstellers Rudolf Frank handelt. Eine Suche nach „Frank, Rudolf“ führt den Nutzer zur Annotation von „Kraft durch Feuer“.

Annotation der Orte

Alle Texte sind geographisch annotiert, d.h. alle handlungsrelevanten realen Orte aus den Werken, den biografischen Informationen zu den Verfassern sowie die Erscheinungsorte sind als solche annotiert und mit Geodaten versehen, so dass sowohl eine einfache Ortssuche als auch eine Anzeige bzw. Suche über Karten möglich ist. Die geographischen Angaben werden zusätzlich mit zeitlichen Angaben versehen, so dass die räumliche Annotation und Suchmöglichkeit sich auf bestimmte Zeiträume beschränken kann, z. B. eine Suche nach Texten über das Konzentrationslager Buchenwald in den Jahren 1940/41 möglich wird. Eine zeitliche Zuordnung war allerdings nicht immer möglich, in einigen Fällen gar nicht, in manchen nur näherungsweise. Grundsätzlich wurden alle Lager, Gettos und sonstigen Haftstätten als Orte annotiert.

Publikationsliste

Publikationen

Projektdarstellungen

Förderer

GeoBib wird im Zeitraum von 7/2012 bis 6/2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der eHumanities Förderlinie gefördert. Das Förderkennzeichen lautet 01UG1238A-B.

Siehe auch: Webseiten des Projektträgers PT-DLR

Struktur und Beteiligte

Justus-Liebig-Universität Gießen

Zentrum für Medien und Interaktivität

Prof. Dr. Henning Lobin (Projektleiter, Sprecher des Projekts)
Vera Ermakova (Koordinatorin des Projekts, wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Ines Schiller (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Frank Binder (Koordinator des Projekts bis zum 31.08.2014)

Arbeitsstelle Holocaustliteratur

Dr. Markus Roth (wissenschaftlicher Mitarbeiter)
Charlotte Kitzinger (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Christiane Weber (wissenschaftliche Hilfskraft)
Anika Binsch (assoziierte Promovierende)
Anna Kiniorska-Michel (wissenschaftliche Hilfskraft)
Vanessa Appoh (studentische Hilfskraft)
Janette Dittrich (studentische Hilfskraft)
Jeanne Flaum (studentische Hilfskraft)

Institut für Geographie – Bereich Geoinformatik und Fernerkundung

Dr. Wolf-Dieter Erb (Projektleiter)
Sandra Schaarschmidt (wissenschaftliche Hilfskraft)

Institut für Germanistik – Bereich Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik

Prof. Dr. Henning Lobin (Projektleiter)
Bastian Entrup (wissenschaftlicher Mitarbeiter)
Anna Voronina (studentische Hilfskraft)

Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg

Prof. Dr. Peter Haslinger (Projektleiter)
Dr. Jürgen Warmbrunn (stv. Projektleiter)
Annalena Schmidt (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Zuletzt geändert am 08.11.2016 13:09 Uhr